Richtig drucken (lassen) mit ICC-Profilen

RICHTIG DRUCKEN mit ICC-Profilen

Download des bebilderten Artikels als PDF: www.artibond.de/download/icc.pdf 

Es lohnt sich vor dem Druck etwas mit Farbmanagement auseinander zu setzen.

Farbmanagement nur in einigen Bereichen einzusetzen wird bei der Ausgabe am eigenen Drucker oder beim Dienstleister nicht zum perfekten Ergebnis führen.

Erst wenn man in der gesamten Verarbeitungskette (Workflow) konsequent Farbmanagement betreibt, wird man qualitativ hochwertige Ergebnisse erzielen.

Abweichung der Druckfarben vom Monitor

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man mit einem kalibriertem Display und einem entsprechendem Druckerprofil eine farbrichtige Ausgabe aus seinem Drucker erhält. Das ist so leider nicht der Fall.

Bei einem Druck sind verschiedene Faktoren für das Endergebnis verantwortlich:

  • Der Drucker selbst und seine Fertigungstoleranzen
  • Das verwendet Papier, seine Farbe und Eigenschaften Tinte aufzunehmen
  • Die Tinte selbst
  • Die Ansteuerung durch den Computer

Der Drucker kann Farbbereiche des Bildschirms nicht wiedergeben und umgekehrt. Diese nicht eins zu eins übersetzbaren Farben müssen jedoch farblogisch übersetzt werden.

Ein ICC Profil eines Druckers beschreibt seine Farbcharakteristika für die Originaltinten und meist die verschiedenen Papiere des Druckerherstellers.

Damit können dann Farben richtig übersetzt werden, so dass aus einem hellgrau kein cyangrau wird.

Sobald man Papiere und oder Tinten anderer Hersteller verwendet, muss das entsprechende Farbverhalten durch ein neues ICC Profil beschrieben werden.

Die verschiedenen Papierhersteller bieten diese Profile für jedes ihrer Papiere an. Hier muss der Hersteller für jeden relevanten Drucker ein eigenes Profil je Papiersorte erstellen.

Lässt man bei einem Dienstleister drucken, lädt man sich dort das ICC-Profil für genau das Druckmedium was man bestellen möchte herunter. Der Dienstleister hat hier bereits die verwendete Druckmaschine im Profil berücksichtigt.

Damit Lightroom, Photoshop oder andere Anwendungen diese Profile beim Start auch mit einlesen und in den jeweiligen Menüs auswählbar machen, müssen diese Profile ins Betriebssystem eingebunden werden.

Dazu muss man sie, wenn diese gezippt wurden zunächst entpacken und dann die Datei an den folgenden Ort kopieren:

Windows: C:/windows/system32/spool/driver/colors

Mac:        HD/Library/ColorSync/Profiles

Sollte z.B. Lightroom während des Kopiervorgangs geöffnet sein, muss es neu gestartet werden, damit das Profil auswählbar ist.

Monitor kalibrieren

Bevor man seine Bilder bearbeitet, sollte man sicherstellen, dass die Farben die man zu sehen bekommt auch wirklich denen entsprechen, die die Kamera aufgenommen hat. Sonst stützt man seine Bildbearbeitung auf eine nicht farbrichtige Basis. Da sich der Monitr im Laufe seines Lebenes verändert, sollte man je nach Genauigkeitsanspruch alle 4-26 Wochen erneut kalibrieren.

Das fertige Bild für den Druck erneut bearbeiten – Softproofing

Man hat das fertige Bild am Monitor bearbeitet, und wenn man es nur im Internet veröffentlicht, wird es auch dort auch wieder nur an Monitoren, die wie ein DIA leuchten, betrachtet. Alles passt.

Wenn das Bild aber nun gedruckt wird – egal ob man nun selbst druckt oder drucken lässt – sollte man das Bild extra für den Druck erneut bearbeiten.

Denn ein Papierbild leuchtet nicht selbst und hat flauere Farbdarstellung und schwächere Kontraste. Dem kann man evtl. durch Nachsteuern der Bildbearbeitung entgegenwirken. Auch die Auswirkung der Papierfarbe kann gezielt entgegengewirkt werden, so das man am Ende wieder ein Ergebnis erhält so wie man es ursprünglich für die Ausgabe am Monitor erreichen wollte.

Bei Aktivierung des Softproofs wird als der Ausdruck am Bildschirm so weit es möglcih ist simuliert

 

Dafür legt man z.B. in Lightroom eine virtuelle Kopie an, am einfachsten über das Softproof-Menü selbst:

 

Zunächst aktivieren wir über Ansicht – Soft Proof – Proof anzeigen
(Taste „S“). Darauf achten, dass „Papier und Druckfarbe simulieren“ aktiviert ist.

Mit dem Klick auf „Proof Kopie erstellen“ wird nicht nur eine virtuelle Kopie erstellt, sondern diese auch gleich mit dem eingestellten Profil benannt.

Also vor dem Klick das richtige Profil auswählen. So weiß man später noch genau, für was die virtuelle Kopie gut war und behält die Übersicht. Auch wenn man später erneut auf dieser Papier-Drucker-Kombination drucken (lassen) will, muss man nicht erneut anfangen.

Bei der (Render)Priorität geht es um Umrechnungsarten, mit denen Farben des größeren Farbraums in den kleineren Druckerfarbraum übersetzt werden

Eine evtl. Tiefenkompensierungsoption sollte deaktiviert bleiben.

Papierfarbe simulieren bewirkt, dass der Kontrastumfang reduziert und die jeweilige Papierfarbe mit am Monitor angezeigt wird.

Nun kann man das Bild entsprechend der veränderten Anzeige anpassen, so z.B. die Helligkeit anheben, Kontraste verändern, etc.

Vergleicht man nun den gut getrockneten Ausdruck mit dem Monitor sieht man, dass die Übereinstimmung wesentlich näher an der Monitoranzeige ist als vorher. Da ein Druck nicht selbst leuchtet, hängt es natürlich auch noch von der Farbtemperatur der Lichtquelle ab.

Wer auch hier auf eine absolut farbrichtige Beurteilung angewiesen ist, kann sich eine nicht so ganz preiswerte Normlicht-Box zulegen.

Ausgabeschärfung

Beim Start der Bildbearbeitung sollte eine Schärfung mittels z.B. Nik RAW Sharpener oder einem sensorbezogenen Schärfungsscript erfolgen.

Unmittelbar vor der Druckausgabe sollte mit dem Nik Output-Sharpener eine Mediumbezogene Schärfung erfolgen. Hier werden auch noch Druckerart und Betrachtungsabstand abgefragt.

Link zu den Photoshop-Schärfungsaktionen bei FineArtPrinter (Zeitschrift):
http://shop.will-magazine.de/Photoshop-Aktionen/

Druck am eigenen Drucker mit ICC-Profilen

Wer sich die durchaus fehlerträchtige Art der vielen Menüs sparen möchte, sollte über den Kauf einer Drucksoftware wie Printao8 oder Mirage nachdenken. Hier braucht man nur noch Drucker, Papierart,Größe und Ausgabeschacht anzugeben. Die Software sorgt für die richtigen Profile und Einstellungen. Sie übergeht den Druckertreiber. Dieser ist hier integriert.

Beispieldruck über Photoshop CC

Aufruf des Menüs über „Datei – Drucken“

Menü möglichst groß ziehen
Unter der Bildvorschau „Ausdruck simulieren (Softproof)“ und „Papierweiß anzeigen“ aktivieren um Endkontrolle zu sehen.

Vorzunehmende Einstellungen:

  • Farbmanagement durch Photoshop
  • Papier-Drucker Profil auswählen
  • 16 Bit aktiviern
  • Normaldruck
  • Perzeptiv (auf Papierherstellerempfehlung achten), motivabhängig
  • Tiefenkompensierung deaktivieren

 

Danach klicken Sie auf „Druckereinstellungen“.

Hier auf das Drop-Down-Feld „Layout“ klicken und „Farbanpassung“ wählen.

Um das Farbmanagement auf Druckertreiberebene komplett zu deaktivieren hier „Epson Modus Farbanpassung“ wählen.
__________ Exkurs

Mac:
Teilweise lässt sich hier ColorSync leider nicht abschalten. Es ist grau hinterlegt. Damit einem nicht der Treiber alle Farbanpassungen wieder zerstört, ist es notwendig die hier hinterlegten Profile gegen solche auszutauschen, die alles eins zu eins durchreichen – so genannte Generische Profile.

Dazu lädt man das Generic ICC Profile unter http://download.datacolor.eu/files/genericrgb.zip  herunter, entpackt es und speichert es unter dem Pfad „HD-Library-ColorSync-Profiles“ ab.

Danach Unter den Dienstprogrammen das ColorSync Dienstprogramm aufrufen und unter Geräte bei seinem Drucker in den jeweiligen Profilen auf den kleinen Pfeil klicken, dann auf „andere“ und das Generic RGB icc auswählen.

Video von Datacolor zu dem Thema: https://www.youtube.com/watch?v=YfpQcnvfPUM

 

______ Exkurs Ende

 

Danach wechselt man auf „Druckereinstellungen“

 

Unter Medium wählt man nun die Papiersorte aus, die der Hersteller des Papiers für seine Sorte empfiehlt. Es ist etwas verwirren, dass hier wieder eine andere Bezeichnung zum Einsatz kommt.

 

Für Tecco Baryt BT270 z.B, wählt man hier Premium Semigloss Photo Paper aus.

 

Hier gibt z.B. Tecco für das o.g. Papier die Empfehlung 2880 dpi

 

Damit wir die größtmögliche Datenmenge zum Drucker senden aktivieren wir 16Bit.

 

Auch wenn es heutzutage nur Nuancen sind, sollte man auf bidirektionales Drucken im FineArt-Bereich verzichten, und „schnell“ deaktiviert lassen.

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